Tür zu, Tür auf. – Mein Jahr FSJ & mein eigener „Poetry Slam“-Text

Letzes Jahr entschloss ich mich, nach dem Abi ein freiwilliges soziales Jahr zu machen und es kommt mir vor, als hätte ich gestern erst angefangen.
Heute fand‘ aber schon die allerletzte Veranstaltung meines FSJs statt. Ich habe nun‘ fast ein Jahr im Kindergarten gearbeitet. Obwohl es anfangs eher eine Spontanaktion war, wüsste ich heute nicht, wo ich ohne dieses Jahr jetzt stehen würde. Es hat mir so wahnsinnig viel Freude bereitet und mich so weit voran gebracht.

Als Abschlussseminar hatte ich die Ehre in den Bereich „Poetry Slam“ zu schnuppern. Ich, als begeisterte Schreiberin, war natürlich total gespannt auf dieses Seminar. Und wow, Leute, es hat sich so gelohnt! Ein perfekter Abschluss eines perfekten Jahres und das mit all‘ seinen Ecken & Kanten, Höhen und Tiefen.
Genug gesagt, ich würde mit euch gerne meinen verfassten „Poetry Slam“-Text teilen. In einer Woche wird man natürlich nicht zum Experten auf dem Gebiet, aber herausgekommen ist bei all‘ meinen Mit-FSJlern dieses Seminares, wirklich ganz tolle Kunst.
Ich hätte meinen Text bei der Abschlussveranstaltung heute eigentlich vorstellen sollen, aber konnte durch Strapazen leider nur einen Teil davon präsentieren.
Also an alle, die den Text heute schon hätten hören sollen: Schön, dass ihr ihn hier noch einmal ganz lest. Und danke, für all das positive Feedback, das ich bereits von euch bekommen hab. Ihr seid toll!
An alle, die ihn jetzt zum ersten Mal lesen: Danke, dass ihr ihn lest. Das bedeutet mir wieder sehr viel! 🙂

Man hört die Kinder singen:
„Scheiß auf Schickimicki, ich trink nochn‘ Bier.“
Da fragt man sich schon:
„Wo zur Hölle bin ich hier?“

Zur Erklärung: Im Kindergarten.
Zur weiteren Erklärung: Auf dem Dorf.
Zur letzten Erklärung: Schlager ist hier voll cool.

Dass wir scheiße im Kindergarten nicht sagen,
ist in diesem Kontext scheiß egal.

Schließlich ists‘ ja nur ein Lied.
Ein Lied, dessen Text, die Kids, die ihn grölen, nicht einmal verstehen.

Diese Kids sind nämlich maximal 6 Jahre alt.
Mit 6 scheißt man weder auf Schicki Micki,
noch auf irgendetwas anderes.
Man sollte diesen Ausdruck in diesem Alter nicht einmal kennen.
Na ja, und Bier?
Bier kennt man vielleicht schon,
aber mögen tut man es hoffentlich nicht.

Es macht also alles gar keinen Sinn.

Aber trotzdem singen die Kids dieses Lied immer und immer wieder,
heben dazu ihre Hände, mit den lackierten Fingernägeln,
tanzen im rosa Kleidchen umher und lachen sich kaputt,
wenn ich kopfschüttelnd ebenfalls zu lachen beginne.

Ein Geben und ein Nehmen.
Sie nehmen dem Lied seinen ohnehin nichtigen Sinn,
geben mir stattdessen ein lachendes Gesicht.

Und wisst ihr, was das Tolle daran ist?

Im Leben muss gar nicht alles immer einen Sinn haben.
Die Hauptsache ist, dass man glücklich ist und Spaß hat.

Wer diesen Kindern ein Jahr lang dabei zugesehen hat,
wie sie unzählige sinnlose Dinge gesagt, getan oder eben gesungen haben,
hat aber doch eine wichtige Sache gemerkt:

Manchmal sieht Glück ganz genau so aus.

Was ich damit meine, ist eigentlich ganz leicht.

Auch wenn das zuerst wenig logisch erscheint,
so ist es tatsächlich so, dass wir Erwachsenen von den kindischen Kids jede Menge lernen können.
Nicht noch, sondern wieder lernen.
Nichts Neues, sondern etwas längst Vergessenes.

Unbeschwertheit.

Wie sie aussieht, wie sie sich anfühlt und vor allem, wie man sich fühlt.
Denkt mal an dieses Gefühl, was hängt damit zusamm‘?
Erinnert ihr euch, wie es sich anfühlt unbeschwert zu sein?
Zu klein, um die Lasten des Lebens zu tragen?

Denkt mal an ein Kind, das auf einem Klettergerüst steht.
Es springt, es lacht, es fällt, es weint.
Aber es war lustig, im Moment des Sprunges und dann spät danach.
Der Wind in den Haaren, das Gefühl man fliegt.
Kinder erinnern sich daran, wenn der Schmerz verfliegt.

Ein Erwachsener würde das gar nicht erst tun.
„ Ist doch klar, dass man sich verletzt. Das macht doch keinen Sinn.“

Und doch: Der Sinn dabei ist es, etwas zu tun, was sinnlos ist und Konsequenzen hat, um einfach den Sinn zu haben, witzig zu sein.

Hä?

Vielleicht ists‘ nicht leicht zu verstehen für uns.
Vielleicht ists‘ auch eigentlich zu leicht für uns.
Prinzipiell ists‘ einfach nur ganz einfach:

Das, was Kinder von uns Großen unterscheidet ist, dass sie nicht alles, was sie tun 100x überdenken, nicht alles, was sie sagen 200x überarbeiten und nicht alles, was sie fühlen auf 300 Arten verstecken.

Kinder sind unbeschwert, sie wissen, was sie tun müssen, um sich selbst glücklich zu machen und sie tun es.
Kinder können ganz groß sein,
Kinder sind großartig.

Ich bin jetzt auch ein bisschen größer geworden,
auch wenn man das nach außen hin nicht sieht.

Dass ich durch die Arbeit mit den Kindern gleichzeitig mein inneres Kind wieder-,
und meine innere Reife neufand,
hätte für mich vor einem Jahr noch keinen Sinn ergeben.
Ich hätte
Hä?
gesagt, genau wie ihr vielleicht.
Ich hätte das nicht für möglich gehalten.
Ich bin durch meinen Weg zurück in den Kindergarten,
weite Schritte vorwärts gekommen.
Aber vor allem bin ich dank des IB’s erwachsen geworden.

Ehrlich gesagt, hat mein FSJ vorerst wenig Sinn gemacht,
aber ich hab’s trotzdem getan.
Am Ende hat es für mich dann riesigen Sinn ergeben.

Ich habe gelernt, dass Dinge, die erst aussehen als hätten sie keinen,
am Ende einen Sinn haben können, der dein Leben prägt.
Der dich glücklich macht.
Der dich weiterbringt.
Der vielleicht die Lasten des Lebens nicht nehmen kann,
aber hilft sie zu tragen.
Hilft, nicht zu klein dafür zu sein,
sondern groß genug zu werden.

Auch wenn das Leben nicht perfekt ist, ists‘ das Beste was du hast.

Man hört mich also sagen:
„Scheiß auf Schickimicki, ich trink nochn‘ Kaffee!“,

weil ich mag kein Bier.
Aber ich weiß, ich war zur Hölle genau richtig hier.
Ich hab‘ all‘ die Menschen in mein Herz geschlossen,
dank ihnen ist mir so viel in den Kopf geschossen.
Zum Beispiel was ich will und liebe,
ein Jahr voller Hürden und voller Siege.
Danke für alles, alles war toll.
Und trotz der alkoholischen Texte der Kids,
war höchstens mal ne‘ Windel voll.

-Lisa P.


Als Fazit kann ich euch nur ans Herz legen: Wagt es! Macht Dinge, auf die ihr Bock habt, auch wenn sie erst nicht so wirken, als können sie euch weiterbringen. Selbst wenn sie es nicht tun, habt ihr die Erfahrung gesammelt. Fallt und steht wieder auf – ihr werdet dadurch immer nur stärker. Erfahrung ist so unfassbar viel wert.
Ich lege allen ans Herz, die nach dem Schulabschluss, nach einer abgebrochenen Ausbildung etc., nicht wissen, was sie tun sollen: Macht ein FSJ oder BFD. Es gibt kaum etwas, das dich so reifen lässt. Ich hätte es wie gesagt selbst nicht geglaubt.
Desweiteren kann ich  den Internationalen Bund nur aus ganzem Herzen empfehlen. Einen besseren Träger, ein cooleres Team, hätte ich nicht finden können -noch ein letzes Mal vielen Dank, für alles.


Das war heute mal ein bisschen was anderes, ich hoffe es hat euch trotzdem gefallen. Ich musste das alles einfach nochmal loswerden.
Ich wünsche euch ein ganz tolles Wochenende 🙂

 

In Liebe,

L. ❤

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2 Gedanken zu “Tür zu, Tür auf. – Mein Jahr FSJ & mein eigener „Poetry Slam“-Text

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